Warum das Ziel nicht ein stressfreies Leben ist
Weniger Termine.
Weniger Verantwortung.
Weniger Konflikte.
Weniger Reize.
Mehr Pausen. Mehr Ruhe.
Wenn es um Stress geht, scheint die Lösung häufig klar:
Es muss weniger werden.
Und manchmal stimmt das.
Manchmal braucht es tatsächlich Entlastung. Eine Pause. Ein Nein. Mehr Schlaf. Weniger Tempo.
Aber was wäre, wenn ein gutes Leben nicht vor allem davon abhängt, möglichst wenig beansprucht zu werden?
Sondern davon, wie gut unser System mit Beanspruchungen umgehen kann?
Denn ein Leben ohne Beanspruchung gibt es nicht.
Und vermutlich würden die meisten von uns es auch gar nicht wollen.
Wir möchten arbeiten, gestalten, lernen, Verantwortung übernehmen, Beziehungen leben, uns bewegen, Neues wagen, reisen, feiern und uns entwickeln.
All das beansprucht uns.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:
Wie bekomme ich möglichst viel Stress aus meinem Leben?
Sondern:
Wie kann mein System lernen, mit dem Leben besser umzugehen?
Genau das verstehe ich unter Stresskompetenz.
Stresskompetenz ist mehr als Entspannung
Entspannung ist wichtig.
Aber Stresskompetenz beginnt für mich nicht auf der Yogamatte und endet auch nicht bei einer Atemübung.
Denn Regulation bedeutet nicht einfach, möglichst entspannt zu sein.
Unser Organismus muss flexibel reagieren können.
Wenn eine Herausforderung auftaucht, darf das System aktiv werden.
Der Puls darf steigen. Energie darf bereitgestellt werden. Aufmerksamkeit darf sich fokussieren.
Wir dürfen für eine Zeit hochkonzentriert, angespannt oder körperlich gefordert sein.
Entscheidend ist, was danach geschieht.
Kann das System wieder herunterregulieren?
Kann es regenerieren?
Kann es verbrauchte Ressourcen wieder aufbauen?
Und steht anschließend wieder ausreichend Kapazität für die nächste Herausforderung zur Verfügung?
Stresskompetenz bedeutet nicht, Beanspruchung zu vermeiden. Sie bedeutet, auf Beanspruchung reagieren und anschließend wieder regulieren zu können.
Beanspruchung → Regulation → Regeneration
Etwas fordert Dein System.
Beanspruchung
↓
Dein Organismus passt sich an und stellt zur Verfügung, was gerade gebraucht wird.
Reaktion
↓
Ist die Situation vorbei, kann das System seine Aktivierung wieder anpassen.
Regulation
↓
Verbrauchte Ressourcen werden aufgefüllt, Reparatur- und Erholungsprozesse bekommen Raum.
Regeneration
↓
Für die nächste Beanspruchung steht wieder Kapazität zur Verfügung.
Stabilität
So betrachtet ist nicht die Reaktion auf Stress das eigentliche Problem.
Sie gehört zu einem anpassungsfähigen Organismus.
Schwierig wird es, wenn die Beanspruchung anhält oder die Rückkehr nicht mehr ausreichend gelingt.
Dann folgt auf Beanspruchung die nächste Beanspruchung.
Und die nächste.
Regeneration bekommt immer weniger Raum und der Regulationsspielraum kann kleiner werden.
Ein gutes Stresssystem kann beide Richtungen
Bei Stressregulation denken wir oft nur an eines:
Runterfahren.
Doch ein anpassungsfähiges System muss mehr können.
Es muss aktivieren können, wenn Leistung gefragt ist.
Und wieder herunterregulieren können, wenn die Herausforderung vorbei ist.
Es braucht Aktivität und Erholung. Anspannung und Entspannung. Leistung und Regeneration. Bewegung und Ruhe.
Nicht ein Zustand ist das Ziel.
Flexibilität ist das Ziel.
Ein System, das ausschließlich Ruhe braucht, um stabil zu bleiben, ist nicht automatisch besonders regulationsfähig.
Ebenso wenig eines, das dauerhaft auf Leistung läuft und nicht mehr zur Ruhe findet.
Gesundheit braucht die Fähigkeit, zwischen unterschiedlichen Zuständen wechseln zu können.
Regulationsfähigkeit lässt sich unterstützen und entwickeln
Das ist für mich eine der wichtigsten Botschaften dieser gesamten Reihe.
Wir müssen unseren aktuellen Umgang mit Stress nicht als unveränderlich hinnehmen.
Denn viele Faktoren, die unsere Regulationsfähigkeit beeinflussen, sind gestaltbar.
Schlaf und Regeneration schaffen Voraussetzungen für körperliche und mentale Erholung.
Ernährung und Versorgung stellen dem System das zur Verfügung, womit es arbeiten kann.
Bewegung ist selbst Beanspruchung und kann – passend dosiert – gleichzeitig Anpassungsfähigkeit fördern.
Das autonome Nervensystem spielt eine wesentliche Rolle beim Wechsel zwischen Aktivierung und Regeneration.
Und auch die mentale und emotionale Ebene gehört dazu. Nicht jede Beanspruchung steht im Kalender.
Gedankenschleifen, ungelöste Konflikte, innere Antreiber, Ängste oder dauerhaft unterdrückte Emotionen können ebenfalls Ressourcen binden.
Nicht noch mehr Selbstoptimierung
An dieser Stelle könnte leicht ein neues Problem entstehen.
Wenn Schlaf, Ernährung, Bewegung, Nervensystem, Atmung und mentale Regulation wichtig sind, entsteht schnell die nächste Liste:
Ich müsste besser schlafen. Gesünder essen. Mehr Sport machen. Meditieren. Atemübungen machen. Mehr Pausen einlegen.
Und plötzlich wird Stressregulation selbst zum Stressfaktor.
Genau darum geht es nicht.
Stresskompetenz bedeutet nicht, noch mehr Maßnahmen in einen ohnehin vollen Alltag zu packen.
Es geht darum zu verstehen:
Was braucht mein System gerade wirklich?
Vielleicht ist der größte Hebel Schlaf.
Vielleicht ist es eine körperliche Beanspruchung, die bisher übersehen wurde.
Vielleicht braucht es Bewegung.
Vielleicht weniger Training.
Vielleicht eine Veränderung in der Ernährung.
Vielleicht geht es um einen Konflikt, der seit Monaten Energie bindet.
Oder darum, überhaupt wieder zu lernen, zwischen Aktivierung und Erholung zu wechseln.
Nicht möglichst viel tun. Das Richtige für das individuelle System tun.

Nicht weniger Leben schafft automatisch mehr Stabilität. Mehr Regulationsfähigkeit schafft mehr Spielraum für das Leben.
Von Verstehen zu Stabilisieren
Damit schließt sich der Kreis dieser Stress-Reihe.
Zuerst haben wir gefragt:
Was muss mein System eigentlich alles ausgleichen?
Dann wurde deutlich:
Nicht jede Beanspruchung wird automatisch zur Belastung. Entscheidend ist, auf welches individuelle System sie trifft.
Anschließend haben wir den Regulationsspielraum betrachtet:
Was fließt hinein? Wie gut kann das System regulieren? Welche Kapazität steht ihm zur Verfügung?
Und jetzt kommt der entscheidende nächste Schritt:
Was können wir daraus entwickeln?
Genau hier treffen sich die drei Schritte der Schabesberger Gesundheitsstrategie®:
Verstehen
Was beansprucht Dein individuelles System – und welche Voraussetzungen bringst Du aktuell mit?
Regulieren
Welche Bereiche können wir gezielt unterstützen, damit Dein System mit Beanspruchungen wieder besser umgehen kann?
Stabilisieren
Wie können daraus Fähigkeiten und Gewohnheiten entstehen, die nicht nur für ein paar gute Tage funktionieren, sondern Deinen Alltag langfristig tragen?
Das Ziel ist nicht Perfektion.
Und auch nicht ein Leben, in dem nichts mehr passiert.
Das Ziel ist ein System, das mehr Spielraum bekommt, mit dem Leben umzugehen.
Mein Gesundheitsgedanke
Wenn ich an Stresskompetenz denke, denke ich nicht an einen Menschen, der immer ruhig und entspannt ist.
Ich denke an einen Menschen, dessen System flexibel reagieren kann. Der Leistung abrufen kann, wenn sie gebraucht wird. Der aber auch wieder herunterfahren und regenerieren kann. Der Beanspruchungen nicht grundsätzlich vermeiden muss, weil sein System gelernt hat, besser mit ihnen umzugehen.
Deshalb ist mein Ziel nicht: weniger Leben.
Sondern: mehr Regulationsfähigkeit für das Leben, das Du führen möchtest.
Ulli Schabesberger – Gesundheitsstrategin | Entwicklerin der Schabesberger Gesundheitsstrategie®
Stresskompetenz kannst Du trainieren
Genau dafür habe ich das sechsmonatige Stress-Kompetenz-Training entwickelt.
Es geht nicht um eine Sammlung schneller Anti-Stress-Tipps.
Wir schauen gemeinsam darauf, wie Stress entsteht und wirkt, welche Rolle Regeneration, Schlaf, Ernährung, Bewegung und Nervensystem spielen und wie Du Deine Regulationsfähigkeit Schritt für Schritt im Alltag unterstützen kannst.
Ein Stress Monitor Panel gibt uns dabei zu Beginn zusätzliche Hinweise darauf, wie Dein Körper aktuell auf Stress reagiert.
Live-Termine, praktische Übungen und die unterstützende Gemeinschaft der Gruppe begleiten Dich dabei, neue Impulse nicht nur kennenzulernen, sondern nach und nach in Deinen Alltag zu integrieren.
Nächster Start: 13. Oktober 2026
