Warum nicht entscheidend ist, was auf Dich einwirkt –
sondern wie Dein System damit umgehen kann.
Ein voller Arbeitstag.
Wenig Schlaf.
Ein schwieriges Gespräch.
Eine intensive Sporteinheit.
Für den einen kaum der Rede wert. Für den anderen an diesem Tag vielleicht schon zu viel.
Warum?
Weil nicht allein das entscheidet, was uns beansprucht.
Entscheidend ist auch, auf welches System diese Beanspruchung trifft.
Genau deshalb lohnt es sich, zwei Begriffe voneinander zu unterscheiden, die wir im Alltag häufig gleich verwenden:
Beanspruchung und Belastung.
Eine Beanspruchung wirkt zunächst auf uns ein.
Zur Belastung kann sie dann werden, wenn unser System zunehmend Mühe hat, sie auszugleichen.
Und das ist höchst individuell.
Beanspruchung gehört zum Leben
Wir können – und sollten – nicht versuchen, jede Beanspruchung zu vermeiden.
Unser Organismus ist dafür gemacht, auf Veränderungen und Herausforderungen zu reagieren.
Wenn wir Sport treiben, beanspruchen wir unseren Körper. Wenn wir konzentriert arbeiten, beanspruchen wir unser Gehirn. Wenn wir uns auf etwas Neues einlassen, muss unser System sich anpassen.
Auch Aufregung, Vorfreude, Reisen, Lernen oder ein intensives Gespräch können uns beanspruchen.
Beanspruchung ist also nicht automatisch etwas Negatives.
Im Gegenteil: Angemessene Herausforderungen können Entwicklung anstoßen und Anpassungsfähigkeit fördern.
Problematisch wird es nicht allein deshalb, weil etwas von uns verlangt wird.
Die spannendere Frage lautet:
Kann mein System mit dem, was gerade von ihm verlangt wird, noch gut umgehen?
Nicht jede Beanspruchung wird zur Belastung. Entscheidend ist, auf welches System sie trifft.
Zwei Menschen. Dieselbe Situation. Zwei völlig unterschiedliche Reaktionen.
Stell Dir zwei Menschen vor.
Beide haben einen anspruchsvollen Arbeitstag hinter sich. Mehrere Termine, Entscheidungen, wenig Pause. Am Abend wartet zu Hause noch einiges.
Der eine kommt nach Hause, isst in Ruhe, schläft gut und startet am nächsten Morgen wieder mit Energie in den Tag.
Der andere sitzt abends erschöpft auf dem Sofa und kann trotzdem nicht abschalten. Die Gedanken laufen weiter. Der Schlaf ist unruhig. Am nächsten Morgen fühlt er sich, als hätte die Nacht kaum Erholung gebracht.
War der Arbeitstag für den einen weniger anspruchsvoll?
Nicht unbedingt.
Die äußere Beanspruchung kann sehr ähnlich gewesen sein.
Aber die Voraussetzungen, auf die sie trifft, sind es nicht.
Genau deshalb können pauschale Aussagen über Stress so wenig darüber sagen, was in einem einzelnen Menschen tatsächlich geschieht.
Wir starten nicht alle am selben Punkt
Jeder Mensch bringt seinen eigenen Rucksack mit.
Ganz unten liegen Dinge, die wir nicht einfach austauschen können – beispielsweise unsere genetischen Voraussetzungen.
Darüber sammelt sich im Laufe unseres Lebens vieles an:
Erfahrungen, Lebensstil, Schlafqualität, Ernährung und Versorgung, Bewegung, emotionale Themen, berufliche und private Anforderungen, körperliche Prozesse.
Vielleicht Schmerzen oder stille Entzündungen.
Und natürlich das, was gerade jetzt in unserem Leben geschieht.
Dieser Rucksack ist nicht jeden Tag gleich schwer. Manches kommt hinzu. Manches fällt weg. Manches können wir verändern.
Und genau deshalb kann dieselbe Beanspruchung heute problemlos sein – und drei Monate später plötzlich deutlich mehr von uns verlangen.
Der berühmte Tropfen ist selten das eigentliche Problem
Vielleicht kennst Du diese Tage.
Eigentlich ist nichts wirklich Dramatisches passiert.
Und dann reicht eine Kleinigkeit.
Der Computer funktioniert nicht.
Jemand stellt die falsche Frage.
Du stehst im Stau.
Ein Glas fällt herunter.
Und plötzlich ist die Reaktion viel größer, als es die Situation eigentlich erwarten ließe.
„Warum regt mich das heute so auf?“
Weil dieser eine Moment möglicherweise gar nicht das eigentliche Problem ist.
Er ist nur das, was noch dazukommt.
Vielleicht war die Nacht schlecht. Vielleicht waren die vergangenen Wochen anstrengend. Vielleicht läuft im Hintergrund ein Konflikt. Vielleicht fehlt Erholung.
Vielleicht muss Dein Körper gleichzeitig mit etwas umgehen, das Du überhaupt nicht bewusst wahrnimmst.
Der letzte Tropfen erzählt deshalb wenig darüber, wie viel vorher schon da war. Und noch weniger darüber, wie viel ein individuelles System gerade ausgleichen kann.

Die gleiche Beanspruchung kann unterschiedlich wirken, weil kein System dieselben Voraussetzungen mitbringt.
Belastbarkeit ist kein feststehender Wert
Wir sprechen häufig von Menschen, die „viel aushalten“.
Als wäre Belastbarkeit eine feste Eigenschaft.
So einfach ist es nicht.
Auch ein Mensch, der normalerweise mit sehr viel umgehen kann, hat nicht jeden Tag dieselben Möglichkeiten zur Verfügung.
Nach mehreren erholsamen Nächten kann eine anspruchsvolle Woche gut zu bewältigen sein.
Nach Wochen mit wenig Schlaf, hoher Verantwortung und kaum Regeneration kann schon eine zusätzliche Kleinigkeit deutlich mehr bewirken.
Unsere Fähigkeit, mit Beanspruchungen umzugehen, ist dynamisch.
Und genau darin liegt eine wichtige Chance.
Denn wenn wir verstehen, welche Faktoren unser System beanspruchen und welche seine Regulation unterstützen, müssen wir Gesundheit nicht ausschließlich als Zustand betrachten.
Wir können beginnen, Bedingungen zu schaffen, unter denen unser System wieder besser regulieren kann.
Deshalb reicht „Stress reduzieren“ nicht
Natürlich können wir, Termine streichen, häufiger Nein sagen oder mehr Pausen einplanen.
Das kann sehr sinnvoll sein.
Aber was geschieht, wenn sich bestimmte Beanspruchungen nicht einfach entfernen lassen?
Verantwortung im Beruf. Kinder. Pflege von Angehörigen. Eine schwierige Lebensphase.
Oder schlicht ein Leben, das wir gerne aktiv führen möchten.
Dann wird eine andere Frage interessant:
Nicht nur:
„Was kann ich vermeiden?“
Sondern:
„Wie gut kann mein System mit dem umgehen, was zu meinem Leben gehört?“
Damit verschiebt sich der Blick.
Weg von der Vorstellung, Gesundheit entstehe vor allem dadurch, möglichst wenige Beanspruchungen zu haben. Hin zu der Fähigkeit eines Systems, angemessen zu reagieren, zu regulieren und wieder ins Gleichgewicht zurückzufinden.
Verstehen kommt vor Verändern
Genau deshalb beginnt die Schabesberger Gesundheitsstrategie® mit Verstehen.
Nicht jede Müdigkeit braucht dieselbe Lösung.
Nicht jeder schlechte Schlaf hat denselben Hintergrund.
Und nicht jeder Mensch mit einem vollen Kalender braucht einfach „mehr Entspannung“.
Bevor wir Maßnahmen aneinanderreihen, sollten wir verstehen:
Was beansprucht dieses System?
Was bringt dieser Mensch bereits mit?
Was kommt aktuell hinzu?
Und wo beginnt das System möglicherweise, mehr ausgleichen zu müssen, als ihm auf Dauer guttut?
Erst dann lässt sich sinnvoll entscheiden, wo Regulation ansetzen kann.
Mein Gesundheitsgedanke
Wenn zwei Menschen mit derselben Situation völlig unterschiedlich umgehen können, ist für mich nicht die Frage, wer „belastbarer“ oder „stärker“ ist.
Mich interessiert, warum ihre Systeme gerade unterschiedliche Möglichkeiten haben, mit dieser Beanspruchung umzugehen.
Genau deshalb betrachte ich Gesundheit nicht losgelöst von dem Menschen, seiner Geschichte und seiner aktuellen Situation.
Denn nicht die Beanspruchung allein entscheidet.
Entscheidend ist, was sie in einem individuellen System auslöst – und wie gut dieses System darauf reagieren und wieder regulieren kann.
Ulli Schabesberger – Gesundheitsstrategin | Entwicklerin der Schabesberger Gesundheitsstrategie®
Stresskompetenz lässt sich entwickeln
Es geht nicht darum, Dein Leben möglichst frei von Herausforderungen zu machen.
Es geht darum, besser zu verstehen, was Dein System beansprucht – und seine Fähigkeit zu unterstützen, damit umzugehen.
Im Stress-Kompetenz-Training verbinden wir genau dieses Verständnis mit konkreten Möglichkeiten, Deine Regulation und Regeneration im Alltag zu stärken.
Nächster Start: 13. Oktober 2026
